Schatzsuche nach Seltenen Erden | Br.de | 10.09.2013

Seltene Erden sind besondere Metalle. Ohne sie gäbe es keine Smartphones und viele andere technische Geräte auch nicht. Doch der Hauptlieferant China beschränkt die Ausfuhr. Jetzt wird hierzulande gesucht, auch in Bayern.

Smartphones, Notebooks, LED-Leuchten, Elektromotoren – diese und noch viel mehr Hightech-Produkte würden ohne die Seltenerdmetalle nicht funktionieren. Zwar werden die wertvollen Rohstoffe jeweils nur in sehr kleinen Mengen eingesetzt, ähnlich etwa wie seltene Gewürze beim Kochen, doch genau wie die Gewürze spielen auch die Seltenen Erden eine entscheidende Rolle.

Die abgekürzte Bezeichnung “Seltene Erden” ist gleich doppelt missverständlich: Eigentlich müssten sie “Metalle der Seltenen Erden” heißen – und selten sind sie auch nicht.

Die ersten dieser Metalle wurden Ende des 18. Jahrhunderts in Schweden entdeckt. Sie kamen in seltenen Mineralien vor und wurden in Form ihrer Oxide – Sauerstoffverbindungen, die früher auch “Erden” genannt wurden – isoliert. Daher stammt der Begriff “Seltene Erden”. Ihre Grundstoffe selbst kommen in Erzen weltweit relativ häufig vor: Selbst das seltenste stabile Element der Seltenen Erden – Thulium – findet sich noch öfter als Gold. Größere, zusammenhängende Lagerstätten davon sind allerdings tatsächlich rar.

Zu den Seltenen Erden werden 17 Metalle gezählt: Scandium, Yttrium und Lanthan – und die 14 im Periodensystem auf das Lanthan folgenden Metalle, die sogenannten Lanthanoide. Dazu gehören etwa Cer, Praseodym, Neodym, Europium und Yttrium.

Wirklich selten sind die Seltenerdmetalle nicht – eigentlich kommen sie überall vor, allerdings in kleinen Mengen. Größere, wirtschaftlich rentable Lagerstätten sind tatsächlich spärlich gesät. Bis zu 97 Prozent der Seltenerdmetalle kommen derzeit aus China.

Da sie billig aus China zu bekommen waren, hatten andere Länder seit den 1990er-Jahren die nicht so einfache und häufig umweltschädliche Förderung zurückgefahren. Auflagen wurden häufig missachtet, beim Abbau mit Säuren, die die Metalle aus den Bohrlöchern waschen, entstanden Abfallprodukte und giftige Abwässer, die das Grundwasser verschmutzten. Nach Jahren der Ausbeutung trat China 2010 auf die Bremse und schränkte den Export ein: Das Land will Umweltschäden verringern und eine exzessive Förderung verhindern – das treibt die Preise nach oben. So günstig wie früher werden die Spezialrohstoffe nicht mehr zu bekommen sein.

Eine alternative Quelle für die begehrten Rohstoffe wäre Recycling: Allein in Deutschland liegen vermutlich 80 Millionen alte Mobiltelefone in Schubladen und Schränken herum. Auch in Computern, Monitoren, Fernsehern und anderer Elektronik verbergen sich die wertvollen Metalle. Allerdings gibt es noch kein ausgereiftes Verfahren, um die Seltenen Erden in großem Stil zurückzugewinnen. Vermutlich dauert es noch fünf bis zehn Jahre, bis die Technik soweit ist. Dann könnten aber in Deutschland 100 bis 500 Tonnen zurückgewonnen werden. Ein relativ kleine Menge, die die Nachfrage aber trotzdem etwas entspannen würde.

http://www.br.de/themen/wissen/seltene-erden-seltenerdmetalle100.html

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