Jetzt kommt der Hafenschlick | KN-online.de | 15.05.2013

Die Landesregierung hat die Verklappung von Hamburger Hafenschlick genehmigt und damit wütende Proteste ausgelöst. Naturschützer lehnten das „zweifelhafte Müllgeschäft zu Lasten der Nordsee“ ab, Fischer fürchten um ihren Fang.

„Jetzt geht die Sauerei wieder los“, schimpfte der Vorsitzende des Landesfischereiverbandes, Lorenz Marckwardt aus Eckernförde. Bei dem Baggergut, das bei Helgoland verklappt werden soll, handele es sich um „giftigen Hafenschlick“. Marckwardt erinnerte daran, dass die Fischer seit Jahren gegen die Schlickentsorgung in der Nordsee kämpfen, damit Fische nicht mit Schwermetallen belastet werden. Den Naturschützern warf Marckwardt vor, „Schweigegeld“ zu kassieren. Hintergrund: Hamburg, das bis Ende 2014 bis zu zwei Millionen Tonnen Schlick abkippen will, muss je Tonne zwei Euro an eine geplante Stiftung Wattenmeer zahlen.

Trotz der Öko-Gebühr übten auch Naturschützer gestern harsche Kritik an dem Schlick-Deal. „Hamburg kippt seinen Nachbarländern den Dreck einfach ins Meer, statt sich um eine fachgerechte Entsorgung zu kümmern“, bemängelte BUND-Vize Hans-Jörg Lüth. Der Schlick enthalte Cadmium, Kupfer, Zink und Quecksilber. Die Stoffe landeten über den Fisch beim Menschen.

Umweltminister Robert Habeck (Grüne) verteidigte das Schlick-Abkommen mit Hamburg als Übergangslösung. Bis Ende 2014 soll insbesondere Hamburg einen Weg finden, um den Schlick dauerhaft und ökologisch zu entsorgen. Hierzu ist im Juni ein erstes Treffen geplant.

Hamburg hatte schon 2008 zugesagt, ein Schlick-Konzept zu erarbeiten. Im Gegenzug hatte Kiel die Verklappung von bis zu 6,5 Millionen Tonnen Schlick etwa 60 Kilometer vor der Westküste bei der Tonne E3 erlaubt. Die Genehmigung lief Ende 2011 aus. Hamburg hatte bis dahin rund zwei Millionen Tonnen Baggergut verklappt.

Laut Habeck ist der Schlick nur gering belastet. Er versprach, die Verklappung wie bisher genau zu kontrollieren. Der Kreis Dithmarschen stimmte zu, Nordfriesland forderte Hamburg auf, endlich nach einer Alternative zu suchen.

Die Metropole hatte in den vergangenen Monaten mehrere Millionen Tonnen Hafenschlick einige Kilometer elbabwärts verklappt, um die Zufahrt zu den Containerterminals im Hafen frei zu halten. Einen Teil des Schlicks spülte die Elbe bereits zurück. Die Verklappung vor Helgoland könnte im Spätsommer beginnen. Der Auftrag muss zuvor europaweit ausgeschrieben werden.

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