Hamburg kippt Hafenschlick vor die Westküste | SHZ.de | 15.05.2013

Weitere 600.000 Kubikmeter Schlamm darf Hamburg in der Nordsee vor Schleswig-Holstein verklappen. Das soll 1,2 Millionen Euro für eine neue Nationalparkstiftung bringen.

Schleswig-Holstein und Hamburg haben ihre “Schlammschlacht” für beendet erklärt. Die Hansestadt darf danach zunächst bis 2014 Schlick aus dem Hamburger Hafen vor der Westküste entsorgen. Damit soll der Zugang zum Hamburger Hafen gesichert werden. Dies teilten Umweltminister Robert Habeck (Grüne) und Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) in Kiel mit. Eine 2008 erteilte Genehmigung für die Verklappung von Hafenschlick in der Nordsee wird damit verlängert.
Noch im Sommer vergangenen Jahres hatte Habeck Bedenken gegen die Praxis geäußert und auf die Belastung der Sedimente mit giftigen Schwermetallen verwiesen. Am Dienstag erklärte der Minister, der “Hamburger Hafen ist extrem wichtig – auch für Schleswig-Holstein.”

Wegen des Streits um die Windmesse Husum hatte die von Hamburg erbetene Verlängerung eines für den Zeitraum 2008 bis 2011 geschlossenen Schlick-Abkommens über Monate auf Eis gelegen. Die damals genehmigte Menge von 6,5 Millionen Kubikmetern wurde bis Ende 2011 mit zwei Millionen Kubikmetern bei weitem nicht ausgeschöpft. Die Höchstmenge und die Rahmenbedingungen bleiben auch nach der Verlängerung bis Ende 2014 bestehen, erklärte Habeck.

Um den Hafenzugang zu sichern, seien unterschiedliche Alternativen diskutiert worden, hieß es. Die Verklappung vor der Tonne E3 sei in der aktuellen Situation die verträglichste Lösung. Horch betonte: “Die Sedimente, die Hamburg zur Tonne E3 verbringen wird, erfüllen die strengen Anforderungen des Landes Schleswig-Holstein, die schon in den letzten Jahren für die Verbringung zu dieser Tonne angewendet wurden.” Bei dem Schlick handele es sich um gering belasteten Schlamm.

Gesamtkonzept soll zeitnah erstellt werden

Beide Seiten rechneten damit, dass 2013 mindestens 600.000 Kubikmeter Schlick verklappt werden müssen. Die Hamburger Port Authority zahlt dafür je Kubikmeter zwei Euro. Das Geld ist der Stock einer zu gründenden Stiftung Nationalpark Wattenmeer. Zudem müssen Hamburg und der Bund der Vereinbarung zufolge zeitnah und verbindlich ein Gesamtkonzept für das Sedimentmanagement in der Tideelbe erstellen. Ziel sei eine unter ökologischen Gesichtspunkten vertretbare, dauerhafte Lösung für die Entsorgung des gering belasteten Schlicks.
Die Grüne Umweltpolitikerin Marlies Fritzen sagte, sie könne die jetzt erzielte Einigung nicht bejubeln. Sie sei aber vertretbar. Ziel eines Gesamtkonzeptes müsse die für das Ökosystem verträglichste Variante sein. Dazu gehöre auch der Verzicht auf eine weitere Elbvertiefung. Mit der Haltung: “Weiterbaggern und nach uns die Sintflut” müsse Schluss sein.
Der CDU-Wirtschaftspolitiker Jens-Christian Magnussen begrüßte den Beschluss der Regierung. Er habe allerdings kein Verständnis dafür, dass der Hamburger Senat die letzten Jahre nicht genutzt habe, um eine alternative Verbringungsfläche zu finden. Bereits im Jahr 2008 habe der damalige Umweltminister Christian von Boetticher einen Folgevertrag wegen der schädlichen Umweltauswirkungen abgelehnt. An der betreffenden Tonne E3 sei noch im März 2009 auf Grund eines Befundes die sofortige Unterbrechung der Verbringung angeordnet worden.

“Zweifelhafte Müllgeschäfte zulasten der Nordsee”

Die Umweltverband BUND kritisierte die Vereinbarung als “zweifelhafte Müllgeschäfte zulasten der Nordsee”. “Statt sich um eine fachgerechte Entsorgung zu kümmern, kippt die Stadt Hamburg ihren Nachbarländern den Dreck einfach ins Meer”, kritisierte der stellvertretende Landesvorsitzende Hans-Jörg Lüth. Seit Jahren drücke sich Hamburg um ein Entsorgungskonzept für den jährlich anfallenden Hafenschlick, der durch jede weitere Elbvertiefung zugenommen hat.
Die Umweltschützer befürchten, dass der Schlick mit Schwermetallen belastet ist. Diese giftigen Stoffe könnten sich in der Nahrungskette anreichern und über den eigentlich gesunden Fisch dann beim Menschen landen. Hafenschlick müsse daher grundsätzlich an Land behandelt und dann entsorgt werden, forderte die Umweltorganisation.

http://www.shz.de/nachrichten/deutschland-welt/hamburg-kippt-hafenschlick-vor-die-westkueste-id70169.html

Tags: , , ,